Max, der Maulwurf, im Weltall

18.10.2016 – Der Parkplatz am FOM Hochschulzentrum in der Herkulesstraße hat schon einiges erlebt: Seit fast zwei Jahren dient er als Start- und Landplatz für Drohnen, die Essener Schülerinnen und Schüler im Rahmen der zdi Feriencamps bauen. An diesem sonnigen Oktoberdonnerstag bietet sich allerdings ein neuer Anblick: 15 Jugendliche bereiten – unterstützt durch Experten von Stratoflights und der FOM Hochschule – den Abflug eines Wetterballons vor. Während die Gasbefüllung läuft, legen die Schüler letzte Hand an die Sonde, die ins Weltall befördert werden soll. Sie enthält drei Kameras, einen Datenlogger für die Dokumentation von Höhe, Geschwindigkeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -druck sowie drei GPS-Geräte.

Der Stratosphären-Flug ist zum ersten Mal Teil des zdi Feriencamps. „Wir haben das klassische Programm – Besuch des Flughafens Essen/Mülheim und der Flugschule TFC Käufer – durch die Komponente Weltall erweitert, um einen neuen Aspekt aus dem Themenspektrum Luftfahrttechnik aufzugreifen“, erläutert Christiane Schuld vom zdi-Zentrum MINT-Netzwerk Essen. „Gleich geblieben ist das ‚Rahmenprogramm‘: Die Schüler erhalten on top zu den Exkursionen und zur Arbeit am Wetterballon Informationen zu Ausbildungswegen und Studiengängen rund um Maschinenbau, Elektrotechnik und Informationstechnik.“

Die neue Komponente kommt gut an bei den Feriencampern: Zum Start des Wetterballons wird der Countdown laut mitgezählt, diverse Handykameras filmen den raschen Aufstieg gen blau-weißem Himmel, und es ist mehr als ein Hauch Aufregung im Spiel, als es an die Bergung der Styroporkiste geht. Nachdem er eine bestimmte Höhe erreicht hat, platzt der Ballon nämlich, und die Sonde macht sich – von einem Fallschirm getragen – auf den Weg zurück zur Erde. Die GPS-Sender verraten den Landeplatz: eine baumbestandene Wiese bei Ascheberg. Dorthin geht es in insgesamt fünf PKWs. Schließlich will sich jeder selbst davon überzeugen, dass die Geräte die Reise in die Stratosphäre gut überstanden haben.

„Wir haben mit unseren kleinen Bergungstrupps schon an den unterschiedlichsten Stellen gestanden“, berichtet Stratoflights-Experte Marvin Rissiek von den Erfahrungen vergangener Flüge. „Worst Case ist sicherlich die Landung auf einem offenen Gewässer wie dem Möhnesee. Auch in dichten Wäldern kann die Bergung kompliziert werden – da hilft dann oftmals nur noch ein Baumkletterer.“ Das bleibt den Teilnehmern des zdi-Feriencamps erspart: Die Styroporkiste liegt – ganz unspektakulär – ca. zehn Meter von der Straße entfernt. Datenlogger und Kameras sind intakt, also geht es direkt zurück nach Essen, um die Auswertung vorzunehmen.

Die Ergebnisse: Der Ballon ist bis auf eine Höhe von knapp über 37 Kilometern gestiegen. Zum Vergleich: Ein Airbus A380 fliegt nur knapp über 13 Kilometer hoch. Die maximale Geschwindigkeit betrug 156 km/h über Grund. Bei den Temperaturen gab es große Gefälle: Gestartet bei 11,5° C herrschen in einer Höhe von ca. 11 Kilometern eisige -50,8° C, während bei Kilometer 37 aufgrund der Absorption von ultravioletter Strahlung sommerliche 28,5° C gemessen werden. Und das sicherlich wichtigste Ergebnis: Die Schüler haben in den vergangenen Tagen neue Einblicke gewonnen, sich mit Themen befasst, die nicht auf jedem Lehrplan stehen, und eine wichtige Orientierungshilfe für die Zeit nach der Schule erhalten. „Damit haben wir unser Ziel, das wir mit den Feriencamps als berufsorientierende Maßnahme verfolgen, definitiv erreicht“, zieht Christiane Schuld zum Abschluss Bilanz.

Die Feriencamp-Teilnehmer auf dem Flughafen Essen/Mülheim…

…und zu Gast bei der Flugschule TFC Käufer.

 

 

 

 

 

 

 

Die Sonde wird vorbereitet.

Der Wetterballon auf dem Weg gen Stratosphäre – vor der Essener Skyline. (Fotos: Tim Stender)